Der `Sachsenhäuser Richter´ ist mittlerweile zu der Symbolfigur des Sachsenhäuser Freischießens geworden. Mit den Worten „Laßt uns beginnen das Freischießenjahr“ eröffnet er in vierjährigem Rhythmus zu Neujahr die Freischießenfeierlichkeiten. In Versform blickt er dabei auf die vergangenen Regentschaftsjahre, allgemeine Ereignisse in Sachsenhausen und der Welt zurück und gibt einen Ausblick auf das Festjahr.

Im Jubiläumsjahr `750-Jahre-Stadtrechte´ wurde die Botschaft um die Mitternachtsstunde des Jahreswechsels 1995/96 verlesen. Bei eisiger Kälte endete sie mit „lasst uns beginnen das Jubiläumsjahr“.

Diese Anlehnung an die Geschichte der Heimatstadt war 1988 der ausschlaggebende Punkt, erstmals im Festzug zum Freischießen einen Richter und zwei Ratsherren zu präsentieren.

Zum Jubliäumsfreischießen `400 Jahre Tradition und Sport´ in 1992 wurde die Gruppe dann erweitert um Mitglieder des Ortsbeirates und des Magistrates, um Bürgermeister, den Herold der Stadt und zwei Nachtwächter. Begleitet wird die Gruppe zudem durch die Landfrauen Sachsenhausens, die mit ihren Beiderwandröcken und Blumensträußen ebenfalls an die 750-Jahr-Feier im Jahre 1996 erinnern.

Zum jeweiligen Jahresbeginn eines Freischießenjahres trift man sich seit 1988 im Schützenhaus. Mit einer Neujahrs- und Freischießenbotschaft wendet sich der `Sachsenhäuser Richter´ an die Schützen- und Ortsfamilie. Die Mitglieder der historischen Gruppen begleiten ihn dabei, die Kanoniere eröffnen mit Böllerschüssen die Feierlichkeiten und den Veranstaltungsreigen.

 

Zur Freischießeneröffnung 2020 ist der Richter zudem Mitspielender bei dem dort erstmals aufgeführten „Lustspiel“ `Sitzung des Rates der Stadt Sachsenhausen´ gewesen, wo man sich augenzwinkernd mit dem Antrag der Schützengilde auf Genehmigung der Durchführung eines Freischießens und Anekdoten und Erzählungen aus vier Jahrhunderten Schützen- und Stadtgeschichte beschäftigte.

 

So galt es zu klären, ob der Schützenkönig auch ein neues Kleinod gestiftet hatte (vgl.  1711: „Keller Wirth Daniel Hebeler hatt an das Kleinoth gestifftet nichts vnd ist Hinweg geZogen“) oder ob der Festausschuss bzw. der Festwirt eine gesicherte Getränkeversorgung gewährleisten konnten (vgl. 1714, dort „ist kein Freischießen gehalten worden in ermangelunge Bieres“).

Als große Gruppe nehmen Richter, Rat und Ehrengäste nicht nur am Hauptfestzug am Fest-Sonntag teil, sondern auch zum Abschluss des Festzuges bei der Königsparade – neben dem Königspaar – das Defilee der teilnehmenden Vereine und Gruppen ab. Den Abschluss bildet dann der gemeinsame Einzug in die Stadthalle, durch ein Ehrenspalier der anderen Sachsenhäuser Festzugsgruppen.

 

Neben den Freischießen in Sachsenhausen ist die historische Ratsherrengruppe aber auch bereits auf zahlreichen auswärtigen Veranstaltungen zu Gast gewesen. Bei den Dorf- und Stadtjubiläen in Basdorf, Fürstenberg und Freienhagen, um nur einige zu nennen, trat man in historischen Kostümen auf und überbrachte die Grüße und Glückwünsche unserer ehedem selbstständigen Stadt.