Geschützgruppe `Graf Heinrich´
Bereits seit dem Freischießen 1984, dem ersten der sogenannten `Neuen Zeit´, sind die Kanoniere der Geschützgruppe Graf Heinrich Teil der großen Sachsenhäuser Schützenfamilie.
Erste Erwähnungen von Geschützen und Böllerschüssen findet man in den Unterlagen des Stadtarchivs bereits für das Jahr 1719: „Am 12.4. wurde „dass Geschütz beschlagen so genandt der Katzen Kop“. Das war auch dringend nötig, denn schon 3 Tage später, am 15. April, ist „ihre Hochfürstliche Durchlaucht hir gewesen“. An anderen Stellen heißt es, dass der Fürst „aus Fremden Landes hir ahn kommen“ bzw. hatte „fürstliche Durchlaucht Durchmarß“. Thomas Bellinger hat „4 Pfund“ und Johannes Hurlandt „5 Pfund Bulber ausgedahn zum freuden schißen“. Diese beiden können also als die ersten Sachsenhäuser Kanoniere bezeichnet werden.
„Schon 1751/52 war es in Sachsenhausen üblich, das neue Jahr mit Böllerschüssen zu begrüßen. Die 8 Rottmeister mussten „des Schießens halber in der Neujahrsnacht patroulieren“.
Diese nachweislich 300-jährige Tradition wird heute durch die Geschützgruppe – eine der historischen Gruppen der Gesellschaft – weitergeführt. Mit ihren `Weckschüssen´ zum Neujahrsmorgen beginnen in vierjährigem Rhythmus die Freischießenjahre.
Der Name der Gruppe, `Graf Heinrich´, leitet sich aus der vermeintlichen Gründungslegende des Jahres 1498 ab. Die feierliche Taufe des Geschützes erfolgte 1996 im Jubiläums- und Freischießenjahr `750-Jahre-Stadtrechte´.
„Seine Kleidung bestand aus einem Waffenrock, dessen eine Hälfte etwa in schwarz, die andere in (…) rot (war), ebenso die Hose“ „Als (Waffe) hatte ein Stadtknecht (…) eine Hellebarde“ – so beschreibt es ehemalige Stadtarchivar Otto Ihm. Die damalige wie heutige Gewandungsgestaltung und Ausrüstung der Sachsenhäuser Kanoniere nimmt diese historische Beschreibung (zufällig) auf und zum Vorbild.
Geschütze
Die Geschützgruppe Graf Heinrich der Schützengesellschaft 1604 Sachsenhausen e.V. betreut ein großes Geschütz, die sogenannte Salutkanone, eine Lafette mit insgesamt 10 Hakenbüchsen sowie 2 Standböller.
Die Kanone war zunächst in schwarz (Laffette) und Gold (Metallteile und Rohr) gehalten. Anders als so manches Waldecker Gegenstück kann man die Sachsenhäuser nicht per Hand ziehen und so in (z.B. auch auswärtige) Festzüge integrieren. Schwere, Bauart und Länge der Lafette sowie der angehängten Hakenbüchsen (zunächst sechs, heute 10) machen einen `Kanonenwagen´ oder eine `Protze´ und ein Pferdegespann notwendig. In 1984 und 1988 war noch eine einachsige Protze vorgespannt. Zum Jubiläumsfreischießen „400 Jahre Tradition und Sport“ in 1992 erfolgte eine Komplett-Erneuerung der Kanonenlafetten, eine Umlackierung in holzfarbene Töne, die schwarze Bemalung der Metallteile und Rohre und die Rotfärbung der Speichenräder sowie der (Um-) Bau eines zweiachsigen `Kanonenwagens´. In dieser Form nimmt man seither an den verschiedensten Veranstaltungen und Festzügen teil.
Waldecker Kanoniere
Die Geschützgruppe Graf Heinrich zählt zu den Gründungsmitgliedern der „Waldecker Kanoniere“, dem formlosen Zusammenschluss und Interessengemeinschaft von mittlerweile über 40 Kanonengruppen aus dem Waldecker Land und dem angrenzenden Hessen und Westfalen.
Neben den jährlichen Manövern an wechselnden Orten trifft man sich zu Delegiertenversammlungen und Veranstaltungen der Mitgliedsgruppen. Rechtliche und technische Details und Anforderungen an die Traditionspflege werden ebenso ausgetauscht wie Hinweise und Anregungen zu Gewandung und Darstellung.
Zweimal bereits, 1992 und 2012 war Sachsenhausen Gastgeber des `Manövers der Waldecker Kanoniere´.
